Krankengeschichte:

7. November 07: Da Indigo seit einem Jahr auffallend viel kratzt und mittlerweile die Ausreden ausgegangen sind, weshalb er das tut, habe ich bei der Uni Gießen angerufen um einen Termin auszumachen.

Dort läuft gerade eine Studie mit den Cavalieren über die Syringomyelie.

Termin: 22.11.07 8.30 Uhr.

Dusty haben wir auch gleich mit angemeldet, in der festen Überzeugung, daß so ein evtl. kranker einem gesunden Hund direkt gegenübergestellt werden kann.

22.11.07

Nachdem die Anmeldeformalitäten erledigt waren kam der Arzt und untersuchte Beide eingehend. Anschließend nahm er die Beiden mit und führte die erforderlichen Schritte zwecks Narkose und MRT duch. Wir konnten die Beiden um 14.00 Uhr abholen und hatten dann die Besprechung.

Beide Tiere sind im MRT auffällig. Es hatte sich sowohl bei Indigo als auch bei Dusty diese Syrinx gebildet. Bei Indigo mehr als bei Dusty.

Beide bekommen ab sofort eine Dauermedikation von 2x ½ Tablette Diamox 250 mg.

Um zu dokumentieren, wie die Behandlung anschlägt oder der Krankheitsverlauf ist, werde ich nun ab sofort ein Tagebuch führen.

Auch über die Gefühle als Hundebesitzer möchte ich schreiben.

Als der Arzt mit der Diagnose ankam und den Behandlungsverlauf mit uns besprochen hat, konnte ich zwar seinen Worten folgen, aber glauben konnte ich das Alles irgendwie nicht.Ich war ja tief in mir sicher, daß diese Kratzattacken bei Indigo durch irgendwas anderes ausgelöst werden. Unser TA meinte auch, dies könnte etwas mit der Schilddrüse zu tun haben, die wir schon einmal deshalb untersuchen ließen, und wo ein Wert erhöht war. Er wollte bald einen weitern Test machen um das noch einmal abzuklären.

Nun standen wir da mit zwei betroffenen Hunden. Was können wir tun???

Erst mal gar nichts außer die Tabletten geben. Die sollen bewirken, daß nicht mehr so viel Hirnwasser produziert wird und so der Druck nachläßt, der diese Syrinx immer weiter ausdehnt und so zu immer mehr Beschwerden und Ausfallserscheinungen führen wird.

Außerdem sollte allzuviel Streß für die Hunde vermieden werden, da sich dadurch der Puls beschleunigt und der Hirndruck steigt.

Nun muß ich mit Indigo ein kleines Umerziehungsprogramm starten, da er immer hoch erfreut ist, wenn wir das Haus verlassen. Er rennt dann rum wie ein Irrer und freut sich wie Bolle. Außerdem ist er ein Spieljunkie. Er liebt kleine Gummiringe und kann bis zu Bewußtlosigkeit hinter denen herrennen. Natürlich haben wir ihm diese Freude immer gemacht und ausgiebig mit ihm gespielt. Diese Aktionen werden nun auf ein Minimum beschränkt.

Nachher werden wir das Medikament abholen und sofort mit der Verabreichung beginnen.Wie beinahe jedes Medikament kann auch dieses verschiedene Nebenwirkungen haben. Angefangen bei Übermäßigem Hechelen, weil die Hunde übersäuerte Mägen haben, bis hin zu Übelkeit und Erbrechen. Des weiteren werden sie wahrscheinlich sehr viel Durst bekommen und deshalb auch vermehrt raus müssen. Was letztendlich sein wird, werden wir sehen!

25.11.2007

Gestern abend habe ich den Beiden das Medikament gegeben. Natürlich schön in Leberwurst verpackt, damit sie es auch gerne nehmen und sicher runterschlucken. Ca. 2 Stunden später haben Beide zeitgleich ganz komisch geatmet. Wären wir nicht vorgewarnt gewesen, wir wären bestimmt zum Tierarzt! Es war kein normales hecheln, wie bei großer Anstrengung oder an heißen Tagen. Mit Sicherheit war das eine Übersäuerung vom Magen, welche sie „abgeatmet" haben. Nach 20 Minuten hat das aber wieder nachgelassen.

Ansonsten sind keine weiteren Nebenwirkungen zu bemerken. Sie schlafen halt sehr viel, was aber vielleicht auch am Wetter liegen kann. Bei Regen sind die Beiden sowieso lieber in der warmen Stube!

30.11.2007

Bei Indigo habe ich die letzten Tage bemerkt, daß er auffallend oft mit den Hinterbienen scharrt, bzw. manchmal kurz mit den Hinterbeinen, vorwiegend rechts, zuckt, als wollte er gleich zu scharren beginnen. Das kann aber auch darauf zurückzuführen sein, daß es ihm soweit ganz gut geht und das ist nur Protzverhalten! Das Hecheln hat nachgelassen. Es ist kaum noch zu bemerken.

Futter bekommen die Beiden nun 2x täglich, jeweils nach der Tablettengabe. Vorher habe ich sie nur 1x täglich abends gefüttert. Ich denke, die Tablette liegt dann nicht so „schwer" im Magen, wenn dieser etwas zu tun bekommt.

06.12.2007

Das Hecheln bei Beiden ist deutlich besser geworden.

Dusty ist wieder ganz der „Alte" und leicht phlegmatisch.

Indigo frißt im Moment eher schlecht, jeden Abend bleibt die Hälfte seines Futter stehen.

Er ist auch merklich ruhiger geworden. Wir spielen zwar noch mit seinem geliebten Gummiring, aber nicht mehr so lange, so oft und so ausdauernd wie vorher.

13.12.2007

Bei Dusty bemerke ich zur Zeit, daß er deutlich lebhafter wird. Er rennt viel mehr herum wenn wir drausen sind und spielt auch mehr als sonst. Negativ fällt mir auf, daß er viel hungriger ist. Ob das auch eine Nebenwirkung der Medikamente ist?? Vielleicht will er sich nur Winterspeck anfuttern?

Indigo hat immer noch sehr wenig Appetit. Auch die Leckerlis beim Spaziergang, die er sonst immer gerne genommen hat, spuckt er die meinst Zeit aus.

Das Zucken in den Hinterbeinen ist nach wie vor noch zu bemerken. Hoffentlich kommt der Bericht aus Gießen bald. Vielleicht läßt sich daraus ersehen, was ich davon halten kann oder muß! Hoffentlich ist das nicht schon ein weiteres Zeichen für die Krankeheit!

01.01.2008

Dusty's Zustand ist nach wie vor sehr zufriedenstellend. Zwischendurch hat er einen Tag, da ist er nicht so fit, aber dauerhaft gesehen ist er schon quirliger als vor der Medikamentengabe.

Indigo hingegen wird sehr schnell schlapp. Am Ringefangen ist er immer noch begeistert, allerding kommt er ziemlich schnell außer Atem.An manchen Tagen kratzt er wie verrückt, dann gibt es Tage, da ist kaum etwas zu merken. Das Zucken mit den Hinterbeinen ist immer noch vorhanden. Mir kommt es vor, wie die „restless legs" bei uns Menschen??? Was das wohl sein mag. Der Bericht aus Gießen ist immer noch nicht da. So langsam sollt er mal kommen – ich würde gerne mal mit Beiden bei meinem Tierartz vorsprechen, aber ohne Unterlagen ist das ziemlich sinnlos!

06.01.2008

Neue Anzeichen der SM bei Dusty??

Er würde gerne aufs Sofa oder ins Bett springen, traut sich aber nicht. Er setzt sich dann vor uns hin, schaut uns Vorwurfsvoll an und legt sich dann seufzend auf den Boden.

Hat er nun einfach Rückenschmerzen oder breitet sich die Krankheit weiter aus? Wenn doch bloß der Bericht endlich käme!

Indigo frißt zur Zeit so gut wie gar nicht. Das Einzige, womit wir ihn noch Ködern können, sind bei den Spaziergängen die geworfenen Leckerli. Da rennt er hinterher und frißt die dann auch.

02.0208

Der Bericht und die Bilder aus Gießen sind seit letzter Woche da. Dusty hat die Syring am 2. Halswirbel, Indigo hat sie vom ersten bis einschließlich drittem Halswirbel. Die Lage ist ernst aber nicht hoffnungslos.

Die Medikamente schlagen sehr gut an. Indigo darf jetzt immer ohne Halsband spazieren gehen und das Kratzen ist deutlich weinger geworden. Mittlerweile kann ich ihn sogar wieder anfassen, zwar nicht wild durchknuddeln, aber immerhin! Und Dusty gefällt mir im Moment sehr! Er ist deutlich lebhafter geworden und spielt auch, sind wir im Rudel unterwege, mit andern Hunden! Ab und zu macht er sogar Indigo seinen Ring streitig.Das hat er schon sooo lange nicht mehr gemach. Hoffentlich hält dieser Zustand sehr lange an und ich muß hier nichts Neues berichten!

11.03.08

Nachdem ich mit verschieden Züchtern, Zuchtwarten und Betroffenen gesprochen hatte, wurde mir erklärt, daß die Gabe von Diamox nach 4-6 Wochen seine Wirkung verliert. Der Wasserhaushalt paßt sich sozusagen wieder an, der Druck ist wieder so groß wie vorher auch - somit ist die Wirkung hinfällig.

Daraufhin habe ich vor ca. 2 Wochen begonnen, die Dosis zu halbieren. Bei Indigo trat ziemlich schnell wieder ein verstärktes Kratzen ein. Hat er bei normaler Medikamentengabe nur noch bei Direktkontakt reagiert, hat er bei Verringerung schon gleich morgens nach dem Aufstehen ziemlich heftig gekratzt. Immer wieder ist er auch tagsüber aufgesprungen, wenn er entspannt gelegen hatte und hatte eine Kratzattacke.

Nun habe ich seit 4 Tagen wieder die verordnete Dosis von 2x1/2 Tablette Diamox. Die Kratzattacken werden lansam weniger!

Dusty ist super gut drauf, auch mit 1/4 Tablette. Er spielt viel mit Indigo, ist deutlich lebhafter und hat sogar Spaß am anderen Geschlecht entdeckt. Bevor ich wußte, daß er SM hat und die Medikamente bekommen hat, dachte ich ja, er wäre asexuell! Nun hat er aber erkannt, daß er ein Rüde ist und eine Hundedame einfach toll riecht!

Sehr schade ist, daß sich sehr wenig Tierärzte mit dieser Krankheit wirklich auskennen. Nun muß man einfach herumprobieren, was hilft.

 

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Endlich ein neuer Bericht!
Heute ist Freitag, der 03.05.2011
Sehr lange habe ich auf dieser Seite nichts geschrieben, denn es gab einfach nichts Neues zu vermelden.
Bei Dusty ist der Zustand völlig unverändert.
Mit der Gabe von 10 mg Furesomid 1x täglich kommt er bestens zurecht. Allerdings hat er, wenn sich das Wetter drastisch ändert, immer mal wieder Schmerzattacken. Dann schreit er auf, läuft wie orientierungslos umher und sucht sich dann in einer dunklen, geschützten Ecke ein Plätzchen. Dieser Zustand dauert für gewöhnlich 2-3 Tage, dann stabilisiert sich alles.
Zwischendurch habe ich immer mal wieder versucht, die Tabletten wegzulassen, da angezweifelt wird, daß Dusty an Syringomyelie leidet, denn er zeigt ja nicht das krakheitstypische Kratzen. Die SM wurde jedoch zweifelsfrei im MRT nachgewiesen.
Wenn ich das Medikament absetze, habe ich wieder einen ganz anderen Hund. Vom Verhalten her könnte man meinen, er wäre ein Greis. Er läuft nicht gerne, rennt schon gar nicht und hat kein Interesse an seiner Umwelt. Mit Furesomid ist er wieder gut drauf.
 
Ganz anders bei Indigo:
Die Kratzattacken nehmen ständig zu. Deshalb bekommt er mittlerweile 50 mg Furesomid täglich - wobei wir, laut Tierartz, noch nicht an der Höchstdosis sind.
Trotz allem sind Situationen die Streß bedeuten könnten, ganz schlimm. Streß kann schon sein, die Freude auf den Spaziergang oder Begegnung mit Hunde-Freunden. Seine wunderschönen Ohren sind nicht mehr zu kämmen - da wird halt hin und wieder die Schere eingesetzt.
Schon in der Frühe, beim ersten Spaziergang, ist er die ersten 10 Minuten fast nur am Kratzen, bzw. er läuft auf 3 Beinen mit und ist am jammern.
Ein heftiges Kopfschütteln unterbricht dann meist den Reiz und der Spaziergang kann wie gewohnt fortgesetzt werden.
 
Meine Einschätzung ist folgende:
Mir ist bewußt, daß die Krankheit voranschreitet. Allerdings sind seit der Diagnosestellung schon 3,5 Jahre vergangen. Wir haben gelernt, Dusty und Indigo so zu nehmen, wie sie sind und auf ihre Befindlichkeiten einzugehen.
Trotz dieser Erkrankung führen die Beiden ein glückliches, zufriedens Hundeleben. Mehr Verzicht und Einschränkung haben die Besitzer von SM-erkrankten Tieren.
 
Für mich sollten meine Hund "ständige Begleiter" sein - dies ist leider nicht möglich. Manchmal müßen sie zu Hause bleiben da sie das Führen an der Leine absolut nicht ertragen, aber viel öfter bleiben wir zu Hause damit die Beiden nicht alleine sind.
Eigentlich wollten wir immer ganz viel kuscheln - das geht leider nicht, denn vor allem Indigo reagiert sehr stark auf Berührung und zieht sich sofort zurück, wenn man ihn versehentlich (vor allem am Kopf-Hals-Nacken-Brust) streichelt.
Er würde soooooo gerne schmusen und hat gleichzeitig Angst davor.
 
Aber:
Die Beiden sind glücklich - auch ohne viel Aufregung!
Wir machen täglich ausgedehnte Spaziergänge, spielen unterwegs oder machen Übungen, treffen uns gelegentlich mit anderen Cavalieren und deren Besitzer und freuen uns des Lebens - so lange es dauert!
 
 
 
 
 


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